Presse

Giessener Anzeiger 7.12.18

Der "Bassmann" vom Kirchberg produziert Musical

Von Klaus J. Frahm

Peter Herrmann, bekannter Musiker und Produzent, arbeitet an etwas Neuem: In seinem Studio auf dem Kirchberg entsteht ein Musical, das eigentlich ein "Drama mit lustigen Einsprengseln" ist.

 

An Keyboard und Computer im Studio auf dem Lollarer Kirchberg entsteht die neueste Produktion des Musikers und Komponisten Peter Herrmann. Fotos: Frahm

KIRCHBERG - Er ist der Bassmann, der Peter Herrmann. Das ist seine bekannteste Marke, oder sagen wir, die öffentlichste. Seit 1975 begleitet ihn das Instrument. Man hörte und sah ihn, sieht und hört ihn auch heute noch auf der Bühne in ganz unterschiedlichen Projekten. "Meine frühen Jahre waren von Rockmusik geprägt und so war ein Höhepunkt die Tour mit Jethro Tull, die ich in den 90ern spielen durfte", so Herrmann. 1961 in Gießen geboren, in Krumbach aufgewachsen lebt er heute auf dem Lollarer Kirchberg und arbeitet, wo er zuhause ist. In seinem eigenen Tonstudio produziert er CDs, nimmt Hörbücher auf, komponiert und musiziert. Zurzeit und erstmals arbeitet er an einem Musical, an einer Art Musical. "Man müsste einen eigenen Namen für die Form finden, Musical trifft es eigentlich nicht richtig", sagt Herrmann. SAMI ist nämlich keine leichte Kost mit dramatischen Einsprengseln, sondern eher ein Drama mit ein paar lustigen Einsprengseln. Zum Inhalt:

Die Jugendlichen der Theatergruppe stehen kurz vor der Premiere ihres selbstverfassten Stückes, doch in der Probenpause kommt es zu Konflikten, die die Weiterarbeit ernsthaft in Gefahr bringen. Unter den Akteuren kommt es zu Mobbing, Ausgrenzung und Diskriminierung. Spielleiterin Isabelle ruft die Beteiligten dazu auf, miteinander zu reden und bald findet die Gruppe für viele Konflikte Lösungen. Doch damit ist die Premiere noch nicht gerettet: Sami, der eine Hauptrolle im Musical spielt, ist nicht gekommen. Samis Freundin Lisa macht sich große Sorgen, denn in letzter Zeit hatte Sami immer wieder davon gesprochen, dass er seinen Vater suchen wolle. Samis Vater ist einst als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Zusammen mit Samis deutscher Mutter waren sie eine glückliche Familie. Doch vor einem halben Jahr ist Samis Vater von einem auf den anderen Tag verschwunden. Warum, hat Sami nicht erfahren. Seine Freunde machen sich auf die Suche nach Spuren aus der Vergangenheit, um Sami helfen zu können.

Auf ihrer Suche begegnen sie Menschen, die Licht in das Dunkel bringen. Nach und nach setzen sie die Puzzleteile zusammen. Sie erfahren, wie es im Land des Vaters ausgesehen hat, über die politischen Verhältnisse, die die Flucht unabdingbar gemacht haben. Und ihnen wird klar, welche Zusammenhänge es zwischen den Fluchtursachen und ihrem eigenen Konsumverhalten gibt....

Fotos

Ursprünglich sollte die Produktion als Auftragsarbeit entstehen, aber der Auftrag wurde storniert, könnte man sagen. Herrmann, der leidenschaftliche Musiker und Produzent, war aber schon so tief in die Materie eingetaucht, dass er weiter arbeitete und inzwischen mit einem eigenen Ensemble die Aufführung plant. Premiere soll am 21. August 2019 im Licher Traumstern sein.

In der Form, die Peter Herrmann vorbereitet, wird SAMI auch nicht von einem traditionellen Musicalensemble gespielt. Auf der Bühne wird eine zehnköpfige Liveband mit mehreren Sängerinnen und Sängern stehen. Zwischen den Songs werden kurze Filmclips auf eine Leinwand projiziert. Die Filme werden mit jugendlichen Darstellern erarbeitet. Ein Sprecher erzählt ergänzend die Geschichte. Was beginnt wie ein szenischer Episodenfilm verdichtet sich immer mehr zu einem Handlungsstrang. Nach anfänglichem Streit beschließen die Jugendlichen, gemeinsam den Vater Samis zu suchen und so entdecken sie mit dem Herkunftsland des Vaters, der gefährlichen Bootsfahrt über das Mittelmeer und der verbreiteten Menschenfeindlichkeit der vorgeblichen Verteidiger Europas eine Realität, die sich kaum in Bilder fassen lässt.

Peter Herrmann hat bereits eine Reihe hochkarätiger Musiker für sein Projekt gewinnen können. So werden als Sänger Cynthia Nickschass, Tom Liwa, Mischa Jung, Michel Schmied, Tony Clark, Yannick Bernsdorff, Lisa Marie Krause, Josephine Blint, Marietta Gankam, Viktor Hummel/Darafu-Rap und Inga Jung zu erleben sein.

Der Chor wird gebildet von Rose Letso Steinhoff, René Rösler und Diana Nagel. Am Schlagzeug sitzen Marcel Römer, Daniel Schild und Moritz Weissinger. Dazu kommen noch Daniel Weltlinger, Geige, Olaf Roth und Peter Herrmann, Keyboards und Jacqueline Herrmann, Flöte. Mit Lulo Reinhardt, Burkhard Mayer und Ralf Gräbe hat Herrmann drei bekannte Gitarristen gewinnen können, zu denen sich der Komponist bei den Aufführungen selbst gesellen wird.

Übrigens: Seinen ersten Gitarrenunterricht bekam Peter Herrmann von der Diakonie-Schwester im einstigen Heimatdorf Krumbach. Für seine erste Band "Private Parts", in der Peter Herrmann mit Markus Leukel, Gerd Stein und dem Gießener Straßenmusiker Pablo van Wegen spielte, stieg der Musiker auf den Bass um.

Nach dem Abitur studierte Peter Herrmann Musikwissenschaften in Gießen bei Ekkehard Jost. "Willst du Musikwissenschaftler werden oder willst du Musiker bleiben?", fragte Jost eines Tages und da wurde Peter Herrmann klar, dass es ihm um das Musikmachen ging und nicht um die Musiktheorie.

Fortan lag der Schwerpunkt auf dem Bassspiel, unter anderem in der "Mark Gillespie Band". In seinem Studio auf dem Lollarer Kirchberg produziert Herrmann CDs für mehr als hundert Musiker. Als Bassist ist er in vielen Bands aktiv und auch bei Improvisationsabenden mit Jazzern wird er oft angetroffen.

Aber auch als Organisator hat sich der 57-Jährige bereits einen Namen gemacht: Im Rahmen des Mittelhessischen Kultursommers bringt Peter Herrmann jedes Jahr ein Weltmusikprojekt auf die Bühne.